Nr. 19/2008 - 28.04.2008 - FG - Parlamentarische Staatssekretärin für Frauen und Gleichstellung
Schwerin. Die Parlamentarische Staatssekretärin für Frauen und Gleichstellung, Dr. Margret Seemann (SPD), übergab am 28.04.2008 einen Zuwendungsbescheid an den AWO Kreisverband Schwerin- Parchim e.V. für die Kinder- und Jugendberatungsstelle bei häuslicher Gewalt i. H. v. 33.320 ?. Mit diesen Mitteln soll das bisher von der Stiftung Aktion ?Mensch? und der Stiftung ?Deutsche Jugendmarke? finanzierte Projekt fortgeführt und etabliert werden. Die Kinder- und Jugendberatungsstelle ist Teil der Interventionsstelle Schwerin. In den Haushaltsberatungen wurden vom Landtag mit dem Doppelhaushalt 2008 / 2009 Haushaltsmittel von insgesamt 166.600 ? bzw. 250.000 ? für landesweit fünf Kinder- und Jugendberatungsstellen bei häuslicher Gewalt bereitgestellt.
In der Schweriner Interventionsstelle gab es 2007 138 Frauen mit 256 Kindern und Jugendlichen, die von häuslicher Gewalt betroffen waren. Die Kinder- und Jugendberatungsstelle konnte in 41 von den 138 Fällen die Frauen mit ihren Kindern unterstützen und ihnen helfen. Die Beratungsstelle erfüllt in erster Linie den Auftrag, Interessenvertretung für von häuslicher Gewalt betroffene Kinder zu übernehmen, wirkt aber auch unterstützend für die Mütter. ?Die Beraterin hat mir die Augen dafür geöffnet, dass meine Kinder unter der Situation leiden. Hätte ich das vorher so klar gesehen, hätte ich viel eher einen Schlussstrich gezogen?, so eine betroffene Mutter.
Landesweit wurden im Jahre 2007 in den fünf Interventionsstellen Schwerin, Rostock, Stralsund, Anklam und Neubrandenburg insgesamt 1.675 Frauen mit 1.512 Kinder und Jugendlichen erfasst. Insgesamt waren es in den Interventionsstellen, Kontakt- und Beratungsstellen sowie Frauenhäusern 3.277 Frauen mit 2.567 Kindern und Jugendlichen.
Seemann: ?Das große Dunkelfeld bleibt bei diesen Zahlen unbetrachtet. Im Hinblick auf eine effektive Prävention ist es daher notwendig, Mädchen und Jungen frühzeitig Begleitung und Unterstützung anzubieten, wenn sie häusliche Gewalt miterleben.? Sie weist darauf hin, dass Kinder und Jugendliche gefährdet seien, die Verhaltensmuster der Eltern zu wiederholen und andere gewaltfreie Lebensentwürfe aus eigener Kraft nicht realisieren zu können. Oft entwickelten sie ein eigenes Risikoverhalten, wie Schulverweigerung, mangelnde Konfliktfähigkeit, aber auch nach innen gerichtete Bewältigungsmuster in Form von Magersucht, Depressionen und Suizität.
Mit den Kinder- und Jugendberatungsstellen werde eine spezielle, sogenannte niedrigschwellige Beratung angeboten. Es müssen so keine bürokratischen Hürden genommen werden, um frühzeitig Hilfe zu erhalten. ?Deshalb freue ich mich, dass es gelungen ist, Kinder- und Jugendberatung an allen Interventionsstellen einzurichten. Mädchen und Jungen, die häusliche Gewalt miterlebt haben, brauchen dieses zusätzliche Hilfsangebote, um die schrecklichen Erlebnisse zu verarbeiten? so Seemann.
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern Datum: 28.04.2008 Quelle: Ministerium für Soziales