Gemeinsame Erklärung von 18 Regionen zur Stärkung der deutschen Sprache in der EU
Hessen macht sich für mehr Deutsch in Europa stark. Der Hessische Europaminister Volker Hoff hat heute in Wiesbaden eine Erklärung von 18 europäischen Regionen und über 40 Abgeordneten des Europäischen Parlaments vorgestellt, in der die Unterzeichner eine stärkere Verwendung der deutschen Sprache innerhalb der Institutionen der Europäischen Union einfordern. ?Mit dieser Erklärung ist es erstmals gelungen, grenzüberschreitend auf die viel zu geringe Bedeutung der deutschen Sprache in den EU-Institutionen hinzuweisen?, sagte der Minister.
Ziel der Erklärung, die am 10. April an den für Sprachen zuständigen EU-Kommissar Leonard Orban übergeben werden soll, ist die Stärkung der deutschen Sprache in den Institutionen der Europäischen Union. Denn: ?Fast 100 Mio. Menschen sprechen in der Europäischen Union Deutsch als Muttersprache, keine Sprache ist innerhalb der EU so weit verbreitet wie die deutsche. Und dennoch wird sie nach wie vor in der Praxis gegenüber dem Englischen und Französischen benachteiligt?, sagte Hoff.
Mitunterzeichner sind neben Hessen die deutschen Länder Bayern, Saarland, Sachsen und Sachsen-Anhalt sowie die Freie und Hansestadt Hamburg, die österreichischen Länder Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol sowie Vorarlberg, die Autonome Provinz Bozen-Südtirol in Italien, die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens, die Kreise Hermannstadt/Sibiu und Timiş sowie über 40 Mitglieder des Europäischen Parlaments.
Hoff betonte, die Förderung der deutschen Sprache sei ein zentraler Baustein, um in der Europäischen Union mehr Bürgernähe zu schaffen, die Akzeptanz der EU zu erhöhen und Wettbewerbsnachteile für die deutsche Wirtschaft zu beseitigen: ?Gerade für Hessen mit seiner exportierenden Wirtschaft ist die Sprachenfrage von besonderer Bedeutung?. Dabei gilt das Interesse insbesondere den kleinen und mittleren Unternehmen. Sie dürfen nicht dadurch vom Markt ausgeschlossen oder in ihren wirtschaftlichen Aktivitäten benachteiligt werden, dass sie von Ausschreibungen und Angeboten faktisch ausgeschlossen sind, weil diese nicht in ihrer Sprache vorliegen. Auch für die Bürgerinnen und Bürger ist grundlegende Voraussetzung für eine aktive Teilnahme am europäischen Leben, dass die Informationen in ihrer Sprache zur Verfügung stehen.
In der gemeinsamen Erklärung wird an verschiedenen Beispielen dargelegt, dass die deutsche Sprache nur unzureichend verwendet wird. So werden zum Beispiel immer weniger Vorlagen der Kommission ins Deutsche übersetzt. Unbefriedigend ist auch die Praxis bei der Übersetzung von Internetseiten: Nicht selten werden diese ein- oder bestenfalls zweisprachig zur Verfügung gestellt. Nachteile daraus ergeben sich einmal mehr für die Bürgerinnen und Bürger sowie für Unternehmen. Wie Hoff erläuterte, möchten die Unterzeichner mit fünf konkreten Forderungen erreichen, dass Deutsch im Sprachgebrauch der Europäischen Institutionen eine stärkere Beachtung zukommt und es den deutschsprachigen Bürgerinnen und Bürgern besser als bisher ermöglicht wird, die für eine aktive Teilnahme am europapolitischen Leben notwendigen Informationen in ihrer eigenen Sprache zu erhalten. Der Status der deutschen Sprache als gleichberechtigte Arbeitssprache soll daher auch in Zukunft erhalten bleiben und die EU-Institutionen sollen sicherstellen, dass Bürgerinnen und Bürger ihre Anliegen auch in Deutsch vorbringen können.
Die stetig abnehmende Verwendung des Deutschen im Sprachgebrauch der europäischen Institutionen und auch Äußerungen von Kommissar Orban, dass die Kommission in Zukunft ihre Übersetzertätigkeiten noch stärker einschränken werde, waren der Grund für eine erneute Initiative. Die deutschen Länder hatten daher bereits im September vergangenen Jahres eine Entschließung zur Stärkung der deutschen Sprache in der EU in den Bundesrat eingebracht, die auch der Kommission überreicht wurde. ?Darüber hinaus halte ich es aber für wichtig, dass nicht nur die deutschen Länder, sondern auch die deutschsprachigen Regionen in anderen Mitgliedstaaten sich gemeinsam mit uns für die Stärkung der deutschen Sprache einsetzen?, betonte Hoff. Gemeinsame Initiativen aus mehreren Mitgliedstaaten fänden erfahrungsgemäß in Brüssel deutlich größere Aufmerksamkeit.
In vollem Umfang mitgetragen wird die Erklärung auch von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS), die sich seit Jahren für deutsche Sprachpolitik im Rahmen der Europäischen Union einsetzt. ?Deutsch ist in der Europäischen Union die am meisten gesprochene Sprache und spielt in Brüssel nur eine untergeordnete Rolle. Wir müssen alles dafür tun, dass sich das ändert?, erklärte der Vorsitzende der GfdS, Prof. Dr. Rudolf Hoberg.
Die Gesellschaft für deutsche Sprache sieht es als ihre Aufgabe an, in der Öffentlichkeit das Bewusstsein für die deutsche Sprache zu vertiefen und ihre Funktion weltweit sichtbar zu machen. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die Sprachentwicklung kritisch zu beobachten und auf der Grundlage wissenschaftlicher Forschung Empfehlungen für den allgemeinen Sprachgebrauch zu geben. Zum Thema ?Deutsch im vielsprachigen Europa? organisiert die GfdS ein internationales Symposion, das am 6. und 7. November 2008 in Brüssel stattfinden wird. Titel: "English only? Was wird aus Deutsch und den anderen europäischen Sprachen?"
Hoberg berichtete darüber hinaus, dass die GfdS beim Institut für Demoskopie Allensbach eine repräsentative Umfrage in Auftrag gegeben hat, um herauszufinden, wie die Bürgerinnen und Bürger die deutsche Sprachpolitik beurteilen. Die Ergebnisse werden in einigen Wochen vorliegen.
Staatsminister Hoff erklärte abschließend, dass es bei der Förderung der deutschen Sprache um Gleichrangigkeit, Verminderung von Wettbewerbsnachteilen und Erhöhung der Bürgernähe der Europäischen Union gehe. ?Wenn die Kommission tatsächlich Wert auf die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger sowie auf fairen Wettbewerb legt, dann darf sie die deutsche Sprache nicht benachteiligen?, forderte Hessens Europaminister abschließend.
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